Supermarkt-Spirituosen im Test

Im Test: Echter Nordhäuser Reiche Ernte Obstler

Echter Nordhäuser Reiche Ernte Obstler

Echter Nordhäuser hat Tradition, seit über 500 Jahren wird in Nordhausen Alkohol gebrannt. Am bekanntesten ist wohl der Korn, gebrannt aus Roggen. Wer ihn allerdings mal probieren durfte, wird mir sicher zustimmmen, dass man ihn nicht als Edelbrand einstufen würde. Aber Echter Nordhäuser brennt nicht nur Korn, sie haben eine ganze Palette an verschiedenen Spirituosen im Sortiment. Unter dem Namen „Reiche Ernte“ vertreiben sie eine Spirituose, welche zu 60% aus Obstwasser und zu 40% aus Korn besteht. Ob sie das Obstwasser selber brennen oder einkaufen, konnte ich leider nicht herausfinden. Man kann auswählen, mit welchem Obstwasser der Korn versetzt wurde. Ich habe mich für eine Mischung aus Äpfel und Birnen entschieden.

Der halbe Liter wird mit 30% Alkohol in die Flasche gefüllt und für 7€ verkauft. Auf meiner Flasche steht zwar Obstler drauf, aber man darf „Obstler“ nicht mit Obstbrand verwechseln. Der Begriff Obstler ist alleinstehend nicht rechtskräftig und sagt im Grunde genommen nicht viel aus. Obstbrand darf nicht verschnitten oder aromatisiert werden und muss mindestens 37,5% Alkohol enthalten. Hier sieht man schon einmal, dass die Reiche Ernte von Nordhäuser keine Obstbrände sind. Wichtig ist das (für mich) insofern, als dass auch die Begrenzung bezüglich Zucker entfällt. Da Nordhäuser das Sortiment „Reiche Ernte“ als Spirituose deklariert, darf beliebig gezuckert werden. Ich gehe also davon aus, dass mein Exemplar hier nicht (nur) natursüß ist, sondern das dort gezielt nachgeholfen wurde.

Verkostung von Echter Nordhäuser Reiche Ernte Obstler

Es bilden sich schöne Schlieren, wenn man den Obstler schwenkt. Ansonsten liegt er klar und ohne Einschlüsse im Glas.

Aus dem Glas kommt einem ein intensiver Geruch entgegen. Er ist süß, sehr süß sogar, fruchtig und dabei doch frisch. Ich vernehme viel Apfel und entdecke die Birne. So süß und fruchtig, wie er ist, erinnert mich der Obstler ein bisschen an Bonbos. Mit dezent muffigem Geruch macht sich der Korn bemerkbar, aber überraschenderweise stört er mich nicht. Von Alkohol fehlt jede Spur, Fusel liegt nicht in der Luft. Der Obstler Reiche Ernte von Nordhäuser ist angenehm in der Nase, wenn auch sehr süß. Das muss man mögen. Aber ich bin positiv überrascht.

Wenn man ihn dann im Mund hat, legt er sich leicht auf die Zunge. Im Antrunk schmeckt man zuerst den Korn, das ist Schade. Dann jedoch setzt sich die Birne dominant gegenüber dem Apfel durch, welcher die Süße eher in die Breite spielt. Der Geschmack ist leider nicht so intensiv, wie ich mir von der Nase erhofft hatte. Der Korn überspielt ein bisschen das Fruchtwasser, das finde ich zwar Schade, aber das ist der Kompromiss, den man bei Nordhäuser eingehen muss. Alkohol schmecke ich überhaupt nicht. Der Obstler Reiche Ernte von Nordhäuser ist nicht scharf, es gibt kein Brennen und die 30% Alkohol sind super eingebunden.

Im Abgang schmecke ich erst mal wieder den omnipräsenten Korn. Darunter vernehme ich viel Apfel und ein bisschen die Birne.

Fazit

Ja, Korn und Obstler, das kann man machen. Der Korn wurde wohl nicht aus geschmacklichen Gründen hinzugegeben, eher im Gegenteil. Aber das Strecken mit Korn senkt den Preis. Jetzt bekommt man für um die 7€ eine durchaus angenehme Spirituose zu kaufen, welche vor allem mit einer sehr angenehmen Nase aufwarten kann. Durch die 30% Alkohol ist er auch sehr angenehm zu trinken. Wer mit dem Makel des Korns in der Flasche leben kann, der macht meines Erachtens keinen großen Fehler, wenn er für 7€ eine Flasche des Echten Nordhäuser Reiche Ernte Obstler ersteht. Ich muss ehrlich sagen: Für den Preis hat er mich überrascht.

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