Supermarkt-Spirituosen im Test

Im Test: Ben Bracken Islay (Lidl Whisky)

Ben Bracken Islay

Der heutige Gast ist ein Whisky vom Discounter. Vor genau einem halben Jahr brachte Lidl eine ganze Riege an Whiskys auf den Markt. Manche absurd teuer, manche absurd billig. Manche mit einem sehr hohem Alter, manche ganz ohne Altersangabe. Aus dieser schieren Masse habe ich einen herausgepickt und stelle ihn hier vor, weil ich denke, dass er etwas Aufmerksamkeit verdient hat. Ihr habt es schon gesehen, der heutige Gast ist der Ben Bracken Islay von der gleichnamigen Insel Islay.

Die Whiskyregion Islay ist berühmt, denn obwohl dort nur acht Brennereien aktiv sind, hat jede von ihnen Weltruhm erworben. Der typische Stil ist ein stark rauchiger Whisky, meistens viel rauchiger als die Whiskys vom Festland. So steht auch auf der Packung, dass der Geschmack vom Ben Bracken Islay von Lagerfeuer und Rauch geprägt sein soll. Dieser Ben Bracken ist also ideal geeignet, um günstig in die Welt der Islay-Whiskys einzutauchen. Denn sensationell ist der Preis, nur 18€ wird für diese Flasche verlangt und ist somit meines Wissens nach der günstigste Single Malt, der von dieser Insel stammt.

Verkostung des Ben Bracken Islay

Über die Farbe müssen wir nicht sprechen, dank einer ordentlichen Menge an Zuckerkulör schwappt der Whisky tiefdunkel in der Flasche. Witzigerweise sind auch die anderen Ben Brackens in derselben Preisklasse auf exakt denselben Farbton eingefärbt worden, unabhängig von der Herkunft. Als Ausgleich für diese verfälschte Farbe bilden sich beim Schwenken kleine Tropfen im Glas, die in schönen Schlieren wieder herunter laufen. Das verspricht ein interessantes Tasting.

Geruch

Der Whisky hält, was auf dem Label versprochen wurde. Es schiebt sich ein sanfter, angenehmer und leicht salziger Rauch aus dem Glas. Er wirkt auf mich nicht medizinisch, sondern erinnert eher an Holzfeuer und salzigen Räucherschinken. Um die Intensität halbwegs einzuordnen: Die Rauchnote wirkt auf mich intensiver als die der Whiskys von Bowmore, dabei aber auch nicht so rußig und „stinkig“ wie zum Beispiel die von Laphroaig.

Man muss der Nase Zeit geben sich an den Rauch zu gewöhnen. Dann findet man auch knuspriges und richtig dunkel gebackenes Brot. Das sind wohl die Überreste der gemälzten Gerste, aus dem der Whisky ursprünglich gebrannt wurde. Dahinter, wenn der Rauch nun endgültig verschwunden ist, wird es nicht mehr ganz so lecker. Denn was ich rieche, dass erinnert mich an Holzleim. So kommt mir die Mischung nach einiger Zeit nun doch wie Desinfektionsmittel vor, das war am Anfang noch angenehmer.

Der Whisky ist jung, wahrscheinlich auch wirklich nur drei Jahre alt und das merkt man dann doch. Hinter diesen Rauchschwaden kommen dann auch keine anderen Aromen mehr durch. Zum Beispiel fruchtig ist er gar nicht, Sherry ist nicht vorhanden, aber man merkt auch so gar keinen Alkohol! So wirkt er, das konnte man bei dem Preis eigentlich erahnen, recht eindimensional. Mir jedoch gefällt die Rauchnote ausgesprochen gut!

Geschmack

Ich nehme den ersten Schluck. Im Geschmack ist er etwas dünn und vielleicht noch etwas einfacher als im Geruch. Auch ist er nicht mehr ganz so stark rauchig wie gedacht. Das müssen jedoch keine Nachteile sein, ganz im Gegenteil. Er überfordert so nicht, erschlägt nicht alles mit seiner Rauchkeule, Asche und Straßenbelag, sondern spielt geschickt seine süße Malzigkeit aus, kombiniert mit dieser interessanten Rauchnote. Ich schmecke keine Frucht und auch keine Eiche.

Aber, und das ist seine größte Stärke, er glänzt im Mundgefühl. Er ist echt weich, ölig, süß. Die 40% Alkohol sind nicht bemerkbar, der Whisky ist nicht scharf, sondern einfach angenehm. Simpel? Ja, aber gefällig. Perfekt, wenn man genießen und nicht den Whisky im Glas analysieren möchte, sondern sich vielleicht einfach an ein bis zwei Primäraromen erfreuen kann. Der Whisky ist nicht kompliziert, aber auch nicht anstrengend.

Abgang

Hinten raus wird der Rauch nun doch etwas rußig. Im Mund entsteht eine Trockenheit, fast hin bis zu Adstringens. Der Whisky wird jetzt deutlich bitter (auf der Packung steht als Geschmacksnotiz „Kaffee“). In der Preisklasse ist das nicht verwunderlich. Schottischer Whisky muss generell mindestens drei Jahre lang in Eichenholzfässern gelagert werden, bevor er sich Whisky nennen darf. Gute Fässer sind teuer, darum wird günstiger Whisky oft in gebrauchten und abgenutzten Fässern gelagert. Die geben nun mal vorrangig Bitterstoffe an den Whisky ab, darum sind solche Whiskys oft recht bitter.

Fazit

Für 18€ bekommt man echt etwas geboten. Ein typischer, junger Whisky von Islay, der genau das herüber bringt, wofür die Whiskyregion Islay steht. Jedoch hat er außer der Rauchnote nicht mehr viel zu bieten. Das soll keine Kritik sein, sondern das liegt einfach an der Preisklasse. Die Whiskys von Ben Bracken können nicht mit Whisky konkurrieren, die 30€ und mehr kosten, wie zum Beispiel der Laphroaig Quarter Cask oder die Whiskys von Highland Park. Meine Empfehlung beruht daher ausschließlich auf dem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Jedoch, und das muss ich deutlich sagen, was man hier für 18€ geboten bekommt, ist mehr als fair. Nicht nur der Geschmack, sondern auch die Verarbeitung und das Mundgefühl lässt deutlich durchblicken, dass hier Profis am Werk waren. Der Ben Bracken Islay ist also insbesondere für Einsteiger geeignet, die vielleicht auch mal einen stark rauchigen Whisky kennenlernen möchten.

Er taugt auch super als Geschenk oder Mitbringsel, das „mal anders ist als sonst“. Also anstatt wieder die selbe Flasche Rotwein, wie auch die letzten zigmal, nehmt doch mal diesen Whisky mit. Wenn die Beschenkten noch keine Erfahrungen mit (rauchigen) Whisky haben, dann wird diese Flasche in Erinnerung bleiben. Das kann ich euch versprechen.

Appendix: Ben Bracken, eine erfundene Brennerei

Apropos, Ben Bracken als Brennerei existiert nicht, sondern ist lediglich ein Kunstname und als Marke von Lidl gedacht. Der eigentliche Hersteller wird verschwiegen und darf gar nicht genannt werden. Für Lidl ist das sinnvoll, denn so können sie Fässer von beliebigen Herstellern aufkaufen, zum Beispiel wenn sie gerade günstiger sind und nach außen als ihre eigene Marke vermarkten. Das bedeutet auch, dass der Ben Bracken in zwei Jahren eventuell ganz woanders hergestellt wird als der jetzige.

So ergibt es sich, dass viele verschiedene Whiskys im Umlauf sind, die alle den Namen Ben Bracken tragen. Der heute vorgestellte Ben Bracken Islay hat noch zwei Schwesterabfüllungen, die alle nach ihren jeweiligen Whiskyregionen benannt worden sind, der Ben Bracken Speyside, beziehungsweise der Ben Bracken Highland. Sie alle kosten je 18€ im Onlineshop von Lidl, es gibt auch ein kleines Probierpaket mit 3x5cl.

Meiner Meinung nach jedoch ist der von Islay der Beste aus diesem Trio.

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