Supermarkt-Spirituosen im Test

Im Test: Champagner Germain Brut Réserve

Champagner Germain Brut Réserve

Zu dem Zeitpunkt, wo ich diese Zeilen schreibe, hat Champagner Hochkonjunktur. Zu keiner Zeit wird so viel Champagner getrunken wie in der Woche zwischen Weihnachten und Neujahr. Natürlich wissen das auch die Kaufhäuser. So hatte Kaufland pünktlich an Heiligabend den Champagner Germain Brut Réserve für günstige 10€ im Angebot!

Einen Champagner für 10€? Kann der denn überhaupt etwas taugen? Das weiß man nicht, bevor man ihn nicht probiert hat. Für den Preis kann man ja selten etwas falsch machen, kostet derselbe im Internet doch locker das doppelte.

Also, wir haben hier eine Cuvée aus Chardonnay und Pinot Noir-Trauben vor uns, gelagert für eine unbekannte Zeit auf Hefe und mit einem Presskorken verschlossen. Es wurde kein Jahrgang angegeben, die Alkoholstärke liegt bei 12,5%.

Verkostung des Champagner Germain Brut Réserve

Im Glas präsentiert sich der Champagner in einem sehr hellem Goldton. Die Perlage fällt sehr groß aus und leider sprudelt der Champagner auch schnell aus.

Im Geruch vernehme ich hauptsächlich Apfelgelee, Mandelsplitter und weiße Weintrauben. Auffällig ist das Fehlen des Hefegeruchs, welchen man bei einen auf Hefe gelagerten Schaumweins eigentlich erwarten würde. Bei genauerem Hinschnuppern kommen noch Noten von stark konzentriertem Parfum (bedingt durch den Alkohol) und etwas liebliches zum tragen, sagen wir Lavendel.
Nach einiger Stehzeit verschwimmen jedoch die Aromen und der Schampus erinnert dann an billigen Sekt von Rotkäppchen, also schnell trinken!

Champagner Germain Brut Réserve

Auf der Zunge wirkt der Champagner dann auch grobperlig. Im Antrunk ist er sehr fruchtig und süßlich. Die großzügige Dosage ist deutlich schmeckbar, trotzdem bleibt er im Gefühl recht trocken. Ich schmecke wieder grüne Äpfel und Weintrauben, aber die Mandeln sind im Geschmack verschwunden. Als ich wegen der parfümierten Nase an Lavendel dachte, schmeckte ich ihn dann auch. Aber das kann auch nur Einbildung sein.
Nicht eingebildet ist der Einfluss der Chardonnaytrauben, frisch und ausgewogen zwischen einer leichten Bitterkeit und angenehmen Säure. Das erinnert vom Geschmack her an Zitronenschalen in Wasser. Hinten raus entdecke ich dann doch eine Spur von Hefe, ganz verstecken konnte sie sich nicht.

Das zweite Glas ist mir jedoch fast schon zu viel. Jetzt macht er zu, die Säure belegt die Geschmacksknospen. Er schmeckt jetzt deutlich herber und ist nicht mehr so fruchtig. Was übrig bleibt ist der deutlich der Eindruck von Zitronenschalen. Immer noch trinkbar, aber jetzt ist der Germain Brut Réserve nicht mehr so gut wie zu Beginn.

Im Abgang schwächelt der Champagner mit einer herben und alkoholischen Note. Ansonsten vernehme ich noch Äpfel, Zitronenschale und Schalen von Weintrauben.

Fazit

Nach dem ersten Glas hätte ich gesagt: Unkompliziert, zugänglich, süffig. Guter Sekt, hält mit den Großen nicht ganz mit, muss er bei dem Preis aber auch nicht!

Leider war das zweite Glas dann kein Genuss mehr. Woran das liegt, ob der Champagner den Sauerstoff nicht vertrug oder die Säure zu sehr den Mund belegte, keine Ahnung. Aber Fakt ist, man sollte ihn schnell trinken – das hilft auch gegen das schnelle aussprudeln. Also was macht man damit? Am besten in guter Gesellschaft öffnen. Dann schadet es auch nicht, wenn pro Gast nicht viel mehr als ein Glas dabei raus springt.

Wer jedoch einen guten Champagner für die schönen Zeiten zu zweit sucht, aus meiner Sicht lohnt es sich, dafür ein paar Euro mehr auszugeben. Ich kann zum Beispiel den Taittinger oder Pommery empfehlen. In dem Sinne: Prost Neujahr!

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