Supermarkt-Spirituosen im Test

Im Test: Champagner Moët & Chandon Brut Impérial

Moët & Chandon

Es gab mal eine Zeit, noch vor den goldenen Zwanzigern, da tranken Marathonläufer während des Rennens Champagner statt Energy Drinks. Das ist kein Scherz, man wusste es halt nicht besser. Damals dachte man, dass der edelste aller Weine, welcher so weltberühmt für seine kleinen Bläschen ist, nicht nur lecker, sondern auch erfrischend und revitalisierend sei.

Heute, rund 100 Jahre später, sieht die Welt ein ganz kleines bisschen anders aus. Champagner wird immer noch getrunken, ja, aber Marathonläufer trinken dann doch meistens isotonische Sportgetränke. Das soll nicht heißen, dass so ein kühles Gläschen nicht einen ungemein positiven Effekt hätte. Dieser aber dient heutzutage eher dem Genuss und nicht mehr dem sportlichen Erfolg.

In der heutigen Zeit ist der Champagner, edel, erhaben und exquisit, das Sinnbild für den vollendeten Genuss. Diese Erwartung wird auch beim Anblick der Flasche Moët & Chandon geweckt, die heute zufällig auf unserem Tisch stand. Hinter der Marke steht der Konzern Moët Hennessy Louis Vuitton (LVMH), welcher auch gleich Marktführer in Sachen Luxusprodukten ist.

Mit Moët & Chandon haben sie einen der bekanntesten Champager im Portfolio, welcher auf Amazon mehrere Bestseller-Listen anführt. Da soll er der beliebteste, der am häufigsten gewünschte sowie der am häufigsten verschenkte Champagner sein. Puh! Grund genug mal reinzuschnüffeln und zu schauen, was er denn so auf den Kasten hat.

Verkostung des Moët & Chandon Brut Impérial

Schon beim Einschenken beeindruckt der Champagner durch ein sattes Goldgeld. Der Moët & Chandon ist viel dunkler als zum Beispiel der Champagner von Pommery oder Taittinger. Dabei erfreuen viele kleine Perlen die Augen, auch wenn sich die Perlage leider nicht sehr lange hält.

Bouquet

Im Duft ist er sehr angenehm und schmeichelnd, aber deutlich anders als die anderen hier besprochenen Champagner. Während der Pommery zum Beispiel spritzig und jung wirkt, kommt der Moët & Chandon viel reifer und älter herüber. Man kann hier deutliche Anzeichen einer Oxidation vernehmen. Wer schon mal einen Tawny Port im Glas hatte, weiß was ich meine.

Damit ist aber noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Zuerst kommt mir eine Vielzahl an Früchten entgegen, allen voran eine saftige Birne. Dahinter Honigmelone, Zitronenmarmelade, Papaya und andere exotische Früchte. Dann Cashew und getrocknete Früchte, sowie der typische Brioche ohne einen eigenen Hefecharakter.

Sehr schmeichelhaft, keine Fehlnote, kein Patzer. Elegant und rein. Chapeau!

Geschmack

Auch im Mund kommt der gereifte Charakter durch. Das ist kein spritziger junger Sekt oder ähnliches. Der Champagner hat seine Jahre in der Flasche verbracht und das schmeckt man auch. Der Moët & Chandon ist trocken, leicht bitter und überraschend wenig süß. Wenig Säure und keine Adstringenz.

Im Geschmack gibt es wieder die saftige und weiche Birne, Nüsse, rote Johannisbeeren inklusive Stiel, Zitronenmarmelade sowie Anklänge von Cashew. Der Champagner ist sehr gediegen, mild und weich, aber nicht sehr spritzig. Wer das mag, sollte sich mal den Pommery anschauen. Die Perlen sind sehr fein, aber leider sprudeln sie auch schnell aus.

Nach dieser Vorstellung ist der Abgang überraschenderweise leider recht kurz. Der Fokus liegt dabei vor allem auf den Nüssen und der Säure, die jetzt doch etwas stärker aufblitzt als zuvor.

Fazit

Jetzt verstehe ich, wie sich Moët & Chandon als Marktführer etablieren konnte. Der Champagner liefert mehr als nur eine solide Vorstellung ohne Patzer oder Pannen. Müsste ich ihn beschreiben würde ich ihn als nicht aufdrängend, sondern als geschmeidig, weich und zurückhaltend beschreiben. Ein Champagner für die Massen, ohne Ecken und Kanten.

Ich stelle es mir dabei so vor, dass der Moët & Chandon für viele ein typisches Geschenk ist, welches eigentlich immer passt und doch jedes mal Freude beim Beschenkten hervorruft. Ich persönlich vermisse etwas die Spritzigkeit und knackige Frische, die ich an anderen Schaumweinen so liebe. Aber das betrifft nur meinen ganz persönlichen Geschmack. Insofern Klasse, alles richtig gemacht.

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