Supermarkt-Spirituosen im Test

Im Test: Aldi Champagner Veuve Durand

Aldi Champagner Veuve Durand

Wie man am Aufmacherbild vielleicht erkennen kann, lag meine Verkostung des Veuve Durand schon ein paar Tage zurück. Und wenn ich ehrlich bin, hätte ich meine Notizen nicht durch Zufall wieder gefunden, ich hätte ihn glatt vergessen. Auch wenn ich den Artikel vier Monate nach der Verkostung schreibe, die unten geschilderten Eindrücke hatte ich natürlich sofort zu Papier gebracht.

Trotz des nicht so gut gelungenen Startes, ich finde das Thema spannend. Was also ist der Veuve Durand? Wir haben hier einen echten, französischen Champagner, abgefüllt für und verkauft bei Aldi Nord. Discounterware also, oder nein, Ware für einen Discounter. Das entwertet ein Produkt ja nicht, lässt aber schon mal einen Blick auf das mögliche Zielpublikum werfen. Und ich stelle hier mal plakativ in den Raum, dieses Publikum möchte große Namen trinken, aber ohne großes Geld ausgeben zu müssen. So wie ich. Das ist völlig okay, denn Qualität steht nicht immer im Verhältnis zum Preis. Aber trotzdem ist man hier schon mal 13€ los. Das finde ich recht ambitioniert für einen Billigmarkt. Für dasselbe Geld würde man ja auch 5 Kilo Discounterfleisch kriegen. Wenn man darauf verzichtet, dann sollte man wenigstens was ordentliches zu trinken bekommen, sonst war es ja vergeudet.

Beziehungsweise, das lässt mir natürlich die Frage aufkommen: Wenn man die 13€ stattdessen zum Weinhändler gebracht hätte, was hätte man dafür bekommen? Tja, keine Ahnung. Aber da ich keine Sommelierausbildung habe, will ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Ist schlussendlich auch nicht wirklich mein Metier. Der Schuster bleibt bei seinen Leisten und ich bleibe trotzdem beim Veuve Durand.

Also jetzt schnell die Notizen rauskramen und meine Eindrücke in digitaler Form festhalten.

Verkostung des Champagner Veuve Durand

Zuallererst tarnt sich der Champagner im Glas sehr erfolgreich als gewöhnlicher Weißwein. Trotz der enthaltenden, notwendigen Kohlensäure sind keine der begehrten kleinen Perlen sichtbar. Blass und hellgelb liegt er da, hoffentlich prickelt er noch.

Im Geruch ist er dann frisch und fruchtig. Ich rieche vor allem Äpfel, Balsamicoessig und eine Spur von Himbeeren. Es mischt sich der Eindruck von einem muffigen Fehlton unter. Ich bin kein Weinexperte, kann also auch nur raten, woher der Eindruck stammen kann oder ob das sogar gewollt ist. Vielleicht ist der Champagner überlagert, ein Korkschmecker, oder das kommt von der verwendeten Hefe „und soll so“. Sehr viel ist ansonsten nicht zu entdecken. Gehen wir über zur Kostprobe.

Auf der Zunge perlt er überraschend stark, mit vielen groben Perlen. Sehr lange wird der nicht auf der Hefe gelegen haben. Erinnert ein bisschen an erfrischendes Mineralwasser. Mir persönlich gefällt das, aber es geht natürlich auch viel eleganter.

Florale Noten von Blüten blitzen auf, dann kurz Geschmack nach Kork. Der wird doch nicht gekorkt haben? Der Champagner war mit einem Presskorken verschlossen. Bei solchen Korken werden die offensichtlich schlechten Teile der Korkeiche weggeschnitten. In der Theorie soll das die Chance auf einen Korkschmecker senken, aber da man die Schimmelpilze im Korken nicht sehen kann, kann auch da mal ein schlechtes Teil durchrutschen.
Möglicherweise bilde ich mir das nur ein und das kommt wieder von der Lagerung. Ich bin auch der einzige am Tisch, dem das auffällt. Aber wenn der Wein tatsächlich korken sollte, erklärt das wenigstens den muffigen Fehlton in der Nase. Wie dem auch sei, wir lassen uns davon nicht weiter abhalten und nehmen den Wein weiter auseinander.

Im Geschmack kommt die Frucht durch, aber ohne ins Süße abzugleiten. Eher im Gegenteil, die Säure ist sehr prägnant und fast überbordend. Hinten raus wird er sogar bitter herb. Hallo Chardonnay, manchmal kannst du auch ein Biest sein.
Die floralen Noten verschwinden, die Hefe ist immer noch da. Er erinnert mich jetzt an bisschen an Apfelschorle, die man anstatt mit Wasser mit (verdünntem) Zitronensaft aufgießt. Das belegt die Geschmacksnerven und lässt die Säure beim zweiten Glas unangenehm überhandnehmen.
Insgesamt kommen mir jedoch die Eindrücke verwässert vor. Wirklich intensiv ist der nicht, das geht kräftiger.

Ein sehr kurzer Nachgeschmack verhallt, der vor allem Trockenheit und Bitterkeit hochspült. Eine Spur Apfelessig verbleibt noch… und blitzt da schon wieder der Korken auf?

Fazit

Uff, naja, also, hätte ich meine Notizen nicht wiedergefunden, ich hätte mich an dieses Erlebnis nur noch spärlich erinnern können. Den Gedächtnistest hat er schon mal nicht bestanden. Und auch im Geschmackstest war er recht unspektakulär und sehr auf der trockenen Seite zu verbuchen. Wenn jemand darauf steht, alles super, so soll es bleiben. Aber für ein ausgewogenes Produkte dominiert hier leider zu sehr die Säure.

Dass der Champagner eventuell gekorkt hat, ist zwar bedauerlich, aber abgesehen von der muffigen Fehlnote in der Nase hat es den Wein nicht weiter eingeschränkt. Wenn die Fehltöne also wirklich auf den Korken zurückzuführen sind, dann entschuldige ich mich an dieser Stelle. Das müsste man jetzt eigentlich herausfinden, indem man noch eine Flasche köpft. Aber in Anbetracht der Leistung und dass die Flasche immer noch 13€ kostet, verspüre ich keinen Impuls das noch mal zu tun.

Was mich auch direkt zum Preis-Leistungs-Verhältnis führt. Der Veuve Durand ist zwar an sich okay, aber auch nicht wirklich hervorragend. Da sollte sich jeder fragen, muss man in dieser Preisklasse unbedingt einen Champagner trinken. Für dasselbe Geld gibt es auch einen guten Sekt von Schlumberger. Da trinkt man zwar keinen Status mit, aber das Produkt ist ausgewogener. Und für mich zählt am Ende die Qualität.

Ich bin kein Sommelier und will mich daher hier auch nicht so weit aus dem Fenster lehnen. Wenn man für wenig Geld guten Sekt trinken will, ist eventuell ein Gang zum Weinhändler des Vertrauens angebracht. Wer unbedingt einen Champagner trinken möchte, ein paar die ich verkostet und empfehlen kann, wären zum Beispiel der Taittinger Brut Réserve oder der Pommery Brut Royal. Ein guter Champagner für wenig Geld wäre außerdem meiner Meinung nach der Champagner von Piper-Heidsieck (Rezension folgt).

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